Fraktion vor Ort in den Rollbergen

Fraktion vor Ort in den Rollbergen

In der vergangenen Woche veranstalteten wir über zwei Tage unseren ersten Stadtteiltag „Fraktion vor Ort“. An mehreren Ständen bot Sven Meyer mobile Sprechstunden an (vielen Dank an Kai Schleier von der Pressearbeit der Fraktion), während derer Olaf Scholz für seine Haltung zum Ukrainekonflikt mal hymnisch gelobt, mal in den Boden kritisiert wurde. Allerdings aber auch ganz praktische Probleme vor Ort, etwa der gesperrte Fussweg aus den Rollbergen zur Wittenauer Straße (und damit Kaufland als Nahversorgungszentrum) thematisiert wurden.

Wir hatten auf diese Weise die Gelegenheit, Sven den Wähler:innen etwas ausführlicher vorzustellen, dabei aber auch von Jugendstadtrat Alex Ewers‘ Bekannt- und Beliebtheit im Bezirk zu profitieren.

Dazwischen empfingen uns Organisationen, die sich beruflich um das Zusammenleben in der Siedlung bemühen. Beim Termin mit Gangway e.V., bei dem uns der JHA-Vorsitzende Stefan Valentin begleitete, trafen wir mit Mary und Murat auf zwei beeindruckende Menschen, die die Jugendlichen im Quartier in deren Lebensumfeld aufsuchen und in ihrer Arbeit an den Bedürfnissen der Jugendlichen ansetzen, statt ihnen die Lebensentwürfe anderer als Ideal vorzusetzen.

„In jedem jungen Menschen steckt ein Potenzial an Kraft, Talent und Kreativität, das es zu entdecken, zu entwickeln und zu fördern gilt – damit gelingende Lebensperspektiven Realität werden können.“1 Besser können wir das nicht formulieren.

Neben allgemeinen Fragen der Unterstützung ihrer Arbeit, wie etwa ein Zeugnisverweigerungsrecht, verwiesen die Streetworker:innen auf die dringend nötigen baulichen Veränderungen in der Siedlung, um Begegnungsräume für die Bewohner:innen zu schaffen. Das mangelhafte Angebot an Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung von Heranwachsenden schafft als zweites Element fast schon die Gewähr für problembehaftetes Verhalten von Teilen der jüngeren Anwohner.
Ohne rasche Maßnahmen des Eigentümers werden sich diese Probleme nicht lösen lassen.

Zum Termin in der Rollberge-Grundschule hatte Aziz Bozkurt als Staatssekretär für Jugend, Familie und Schuldigitalisierung unsere Einladung angenommen, der sich – gemeinsam mit den bezirklichen Jugendpolitikern Ewers und Valentin – der Diskussion mit den Pädagog:innen über die schwierigen Bedingungen ihrer Bildungseinrichtung stellte. Wir trafen auf ein enorm engagiertes Kollegium, dessen anwesende Mitglieder in teilweise erschütternden Darstellungen die erheblichen Bedarfe der Kinder vermittelte.

Die Pädagog:innen konnte den anwesenden Politikern auch einige Vorschläge aus der Praxis mit auf den Weg geben: neben den Klassikern kleinere Klassen, Stärkung der Schulsozialstationen und ausreichende Kitaplatzkapazitäten auch die Übertragung der Personalkostenbudgetierung auf die Erzieher:innenstellen, damit die Schulen bei Personalengpässen selbst für die nötigen Vertretungen sorgen können.

Auch wenn aus diesem Termin naturgemäß keine Vereinbarungen über solche Veränderungen hervorgehen konnten, waren sich alle Teilnehmer:innen über die Bedeutung eines ständigen Austauschs einig, da nur die gegenseitige Information und entsprechende kontinuierliche Nachsteuerung die Lernbedingungen für unsere Kinder verbessern kann.

Zum anschließenden Termin in den Räumen des Quartiersmanagements war schließlich Staatssekretär Torsten Akmann aus der Innenverwaltung erschienen, der mit den Mitgliedern des Quartiersrats das Sicherheitsempfinden im Kiez erörterte und die denkbaren Instrumente, dieses zu steigern. Die Zahlen seien in 2022 zwar gegenüber dem Vorjahr leicht angestiegen (wobei das Problem eher die häusliche Gewalt als die auf der Straße sei), allerdings sei in den Rollbergen keine signifikante Erhöhung im Vergleich zum städtischen Durchschnitt zu erkennen.

Die Aussagen der anwesenden Mietervertreter wichen in diesem Punkt der Kriminalitätswahrnehmung voneinander ab; Akmann bot neben der Ausdehnung der Fahrradstreifen auf das Gebiet auch das regelmäßige Ansteuern des Kiezes durch die mobile Wache an.

Einig waren sich alle Anwesenden darin, dass die GEWOBAG als Besitzerin in vielerlei Hinsicht ihrer Verantwortung für das Gebiet nicht gerecht werde. Torsten Akmann berichtete von ähnlichen Erfahrungen in deren Spandauer Objekten, in denen die unterlassene Beseitigung der illegalen Müllentsorgung und dessen Anzünden durch Unbekannte teilweise lebensgefährliche Situationen für die Anwohner heraufbeschworen habe.

Er regte einen zeitnahen Kiezspaziergang aller Anwesenden mit der Vorstandsvorsitzenden der GEWOBAG an, um ihr auf diesem Weg die Notwendigkeit umfassender Sanierungsmaßnahmen zu verdeutlichen, eine Idee, die vom Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen und der Bezirksverordneten Angela Budweg ausdrücklich begrüßt wurde.

Eine sehr aufschlussreiche Gesprächsrunde mit einer Mieterschaft und Trägervertretern, die sich mit viel Engagement und Überlegung um die Verbesserung der Lebensumstände in ihrem Kiez einsetzen.

Wir danken allen Beteiligten für ihr Mitwirken während dieser zwei Tage, in denen wir viel über die Rollberge-Siedlung und ihre Bewohner gelernt haben, deren Kritik, aber auch deren Kraft, etwas für die Verbesserung ihres Wohnumfeldes zu tun.

Unterstützen wir sie dabei.

1https://gangway.de/ueber-uns/selbstdarstellung/

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